Mit der Entscheidung des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages, für die Erweiterung und Modernisierung der Landesmuseen auf Schloss Gottorf Fördermittel in Höhe von 15,4 Millionen Euro bereit zu stellen, steht fest: Mit der Umsetzung des Masterplans für ein neues Schloss Gottorf kann bereits 2017 begonnen werden. Zu verdanken hat die Stiftung SH Landesmuseen dies den beiden Bundestagsabgeordneten Bettina Hagedorn (SPD) und Norbert Brackmann (CDU) sowie der Landesregierung Schleswig-Holstein. Zusammen bringen alle 31,2 Millionen Euro auf den Weg. Im August hatte Kulturministerin Anke Spoorendonk den zwei Abgeordneten Schloss Gottorf gezeigt und für die Detailplanungen des Masterplans begeistern können.

Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat in seiner heutigen Bereinigungssitzung Bundesfördermittel für einen spektakulären Anbau und eine Sanierung von Schloss Gottorf in Höhe von 15,6 Mio. Euro im Bundeshaushalt 2017 beschlossen. Zu den gefassten Beschlüssen erklären Norbert Brackmann (CDU) und Bettina Hagedorn (SPD):

„Der heutige Förderbeschluss des Haushaltsausschusses des Bundestages ist ein Paukenschlag für die Kulturlandschaft im Norden. Auf unsere Initiative hin wurde der Weg durch den Haushaltsausschuss freigemacht, um Schloss Gottorf ab 2017 mit einem Anbau in modernem Design als neuem – barrierefreien – Eingangs- und Veranstaltungsgebäude baulich zukunftsweisend zu ergänzen und danach die international bedeutenden Ausstellungen konzeptionell grundlegend neu aufzustellen. Damit kann der ‚Masterplan Gottorf‘ realisiert werden, der bereits seit 2014 mit Besucherbefragungen und einem Ideenwettbewerb sowie 14 Workshops zur konzeptionellen Erarbeitung dieses ‚Masterplans‘ von der Kieler Landesregierung vorbereitet wurde. Das bereits 2015 beauftragte Architekturbüro Holzer Kobler (Berlin, Zürich) kann jetzt – nach der Sicherstellung der hälftigen Kofinanzierung durch die Landesregierung mit dem IMPULS-Programm – seine Arbeit unmittelbar aufnehmen mit dem Ziel, Schloss Gottorf national und international sichtbarer und attraktiver zu machen und die notwendigen baulichen Voraussetzungen für eine moderne Bildungs- und Vermittlungsarbeit zu schaffen.

In der gemeinsamen Presseerklärung der beiden Bundestagsabgeordneten heißt es weiter: Schloss Gottorf ist ein zentraler Ort der europäischen und gerade auch der schleswig-holsteinischen Geschichte. Das heutige Barockschloss und seine Nebengebäude sind bereits für sich genommen ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung. Obendrein beherbergen sie mit dem Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte und dem Archäologischen Landesmuseum zwei kulturell bedeutende Sammlungen, deren Renommee weit über die Landesgrenzen hinausreicht. Teil der Sammlungen sind etwa das ‚Nydamboot‘ aus dem 3. Jahrhundert, die bekannten, mehr als 1.800 Jahre alten Moorleichen sowie zahlreiche Werke vor allem norddeutscher Künstler.

Insgesamt werden 31,2 Mio. Euro für die Umsetzung des Masterplans benötigt. Mit den heute beschlossenen 15,6 Mio. Euro übernimmt der Bund die Hälfte davon, die andere Hälfte trägt das Land Schleswig-Holstein.“

„Dass Teile unserer Dauerausstellungen im Schloss in die Jahre gekommen sind, war uns lange bewusst. Zu Beginn des Modernisierungsprozesses wollten wir aber zunächst einmal wissen, wer genau sind eigentlich unsere Besucher, was gucken sie sich an, was mögen sie an Gottorf, und worüber ärgern sie sich bei einem Besuch auf der Schlossinsel“, erzählt Prof. Dr. Claus von Carnap-Bornheim von den Anfängen eines Prozesses, den der Leitende Direktor zwölf Jahre nach Gründung der Stiftung initiiert hat. So wurde die Entscheidung getroffen, den Erneuerungsprozess mit einer professionellen Besucherbefragung zu beginnen.

Seit 2008 wurden mit Hilfe sogenannter Dialogboxen Fragebögen bereitgestellt und auch bereitwillig von den Gästen ausgefüllt und abgegeben. Bereits seit 2010 erfragen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an den Museumskassen der Stiftung die Postleitzahlen der Besucher.  Aber erst die professionelle Besucher-Befragung im Sommer 2012 erbrachte nach mehr als 1000 qualifizierten Interviews repräsentative belastbare Erkenntnisse. Lob, Kritik und Verbesserungsvorschläge sowie die genauen Profile der Besuchergruppen flossen daraufhin ein in die Ausschreibung für einen Internationalen Ideenwettbewerb. An dem beteiligten sich über 20 Architekturbüros aus fünf europäischen Ländern. Am Ende entschied sich die Jury für die Ideen des Büros Holzer Kobler Architekturen Berlin|Zürich.

Deren Ansätze für eine Modernisierung und Neuordnung der Ausstellungen und Dauerausstellungen im Schloss in Verbindung mit der Errichtung eines modernen Anbaus in der bis dato freien Nordostecke des Schlosses, in dem sich neben kleineren Ausstellungsräumen vor allem Gastronomie, Shop, Museumskasse und ein größerer heller Veranstaltungsraum wiederfinden sollen, werden nunmehr seit mehr als einem Jahr zu einem Masterplan erarbeitet. „Wir werden nach allen Umbauten unseren Gästen ein vollkommen neues Museumserlebnis bieten können. Durch den Anbau erhalten wir auf der Schlossinsel eine ganz neue Mitte und binden damit erstmals seit Gründung der Landesmuseen Ausstellungsräume wie den Kreuzstall, die Reithalle und auch die Galerie der Klassischen Moderne mit der Sammlung Horn, die außerhalb des Schlosses liegen aber bedeutende Ausstellungen bieten, endlich enger mit ein“, sind sich Claus von Carnap-Bornheim und sein Vorstandskollege Guido Wendt, Geschäftsführer der Stiftung, sicher.