Blick in eine Ausstellung des LMKKSchloss Gottorf hat sich im Laufe seiner mehr als 800-jährigen Geschichte immer wieder dem Wandel der Zeit angepasst. So wurde aus der herzoglichen Burg eine Schlossanlage und aus dieser eine Kaserne, bevor nach dem 2. Weltkrieg schließlich das Archäologische Landesmuseum und das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in die Räumlichkeiten einzogen. Knapp 70 Jahre später steht unter dem Schlagwort „Masterplan Gottorf“ erneut eine Veränderung an, die das Schloss in seiner Funktion als zentrale Kultureinrichtung bestärken und in die Zukunft führen soll. Auf diesem Weg erscheinen die Erweiterung und eine ganzheitliche Modernisierung des Schlosses unumgänglich. Gestützt wird diese These durch die Ergebnisse einer Besucherbefragung aus dem Jahr 2012 sowie durch Expertenbefunde. Gestiegene Erwartungen an Museen lassen sich dabei in vielerlei Bereichen manifestieren: der Ausstellungspräsentation, dem Serviceangebot oder hinsichtlich der Barrierefreiheit. Um diesen Ansprüchen gerecht werden zu können, war es unumgänglich, das Projekt „Masterplan Gottorf“ in die Wege zu leiten.

Blick in eine Ausstellung des ALMNeben internen Umstrukturierungen wurde vor allem auf Input von außen gesetzt. Diesbezüglich fand im Jahr 2013 ein internationaler Ideenwettbewerb statt, der regen Anklang fand. Eine interdisziplinär aufgestellte Jury wählte aus den eingereichten Beiträgen zunächst drei Preisträger aus. In Kooperation mit dem Büro Holzer Kobler Architekturen (Zürich/Berlin) wurde seitdem an einem „Masterplan Gottorf“ gearbeitet, der neben baulichen Veränderungen und Erweiterungen auch die notwendigen inhaltlichen Erneuerungen beinhaltet. Durch die Bewilligung der erforderlichen Gelder seitens des Bundes und des Landes ist eine Umsetzung des „Masterplan Gottorf“ ab 2017 möglich und der Weg frei für ein Schloss Gottorf 2.0.

Eine Besucherbefragung aus dem Jahr 2012 hat interessante Ergebnisse geliefert. So wurde z.B. festgestellt, dass sich die Hälfte der Besucher bis zu drei Stunden auf der Schleswiger Schlossinsel aufhält und gut ein Drittel der Befragten sogar noch länger dort verweilt. Diese langen Aufenthaltszeiten verdeutlichen nicht nur die Notwendigkeit eines adäquaten gastronomischen Angebots, sondern haben auch Konsequenzen für die Dauerausstellungen der beiden Landesmuseen.

Konkret ergaben sich drei Prämissen hinsichtlich der Neukonzipierungen dieser Ausstellungen, die in den „Masterplan Gottorf“ Eingang fanden. Zum einen werden die Dauerausstellungen unter gestalterischen Gesichtspunkten, aber auch im Hinblick auf eine partizipative Ausrichtung erneuert. Eine zeitgemäße Präsentation der Exponate sowie Objekte zum Anfassen und Ausprobieren sind hier die Mittel der Wahl. Zum anderen ist es hinsichtlich der relativ langen Aufenthaltszeit der Besucher unumgänglich, Sitzmöglichkeiten bereitzustellen und Ruhezonen einzurichten.

Darüber hinaus werden nach den Sanierungsarbeiten klare Wegeleitsysteme durch die Ausstellungen führen, welche die Orientierung erleichtern und dem Besucher die Entscheidung über den Umfang des Rundgangs überlassen.

Im Zuge dieser Neuordnung werden die Dauerausstellungen des Archäologischen Landesmuseums und des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte inhaltlich gestrafft und innerhalb des Schlosses verlegt. So sehen die Entwürfe im „Masterplan Gottorf“ beispielsweise vor, den archäologischen Rundgang im Sockelgeschoss mit den Schwerpunkten Moorleichen, Tod und Jenseits starten und im Erdgeschoss einer zeitlichen Chronologie folgen zu lassen.

Das Thema Mittelalter, welches auch für das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte von Bedeutung ist, wird so unterteilt, dass Verschneidungen der beiden Ausstellungen möglich werden. Der „Masterplan Gottorf“ sieht außerdem vor, den Verwaltungskomplex umziehen zu lassen, damit im 1. und 2. Obergeschoss der kunst- und kulturgeschichtliche Rundgang angelegt werden kann. Beide Ausstellungen werden im Sinne der Barrierefreiheit künftig über drei Aufzüge zu erreichen sein, wodurch sich überdies kürzere Wege ergeben.

Lageplan der Schleswiger SchlossinselSeit der Grundsteinlegung hat Schloss Gottorf in regelmäßigen Abständen bauliche Veränderungen erfahren. Der Westflügel wurde Mitte des 16. Jahrhunderts im nordischen Renaissancestil errichtet, die Südfassade zu Zeiten des Barocks erweitert und das gesamte Schloss Ende des 18. Jahrhunderts weiß angestrichen, nachdem es zuvor in den Farben Rot und Grau koloriert war. Mit dem Entwurf von Holzer Kobler Architekturen erhält das Schloss nun einerseits einen imposanten Neubau, andererseits wird hiermit auch eine Vision zu Ende gebracht. Eine Vision, die Friedrich IV. entwickelte, aber aufgrund seines frühen Todes nicht mehr umsetzen konnte: die Vollendung des Schlossgebäudes.

Unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer Aspekte vereint der Neubau die Interessen und Bedürfnisse von Besuchern und Museumsmachern gleichermaßen. Zum einen entsteht eine neue Servicezone mit großzügigem Empfangsbereich, Shop und Restaurant bzw. Café, zum anderen wird durch den Neubau Fläche für Wechselausstellungen sowie einen Vortragsraum erschlossen.